Nachruf

Heute möchten wir euch die traurige Geschichte von Old Lucky erzählen. Oder, nein. Old Lucky soll sie euch selbst erzählen…

Mein Name ist Old Lucky. Diesen Namen erhielt ich allerdings erst, als mein zweites, mein richtiges, Leben begann. Das war gerade mal vor 14 Monaten.
Zuvor lebte ich in Kezmarok, einem Ort, in dem ein Tierleben oft nichts wert ist. Dort rief man mich „Drecksköter“, „Mistvieh“ etc. Das waren nicht nur meine Namen, so wurde ich auch behandelt. Ich lebte, nein ich „vegetierte“ an eine Kette gebunden vor mich hin. Mein Zuhause war ein einfacher Bretterverschlag. Ob ich dort fror oder hungerte? Ja. Ob es jemanden interessierte? Nein!

Wenn ich Glück hatte, warf man mir etwas Essbares hin und ich bekam etwas Wasser. Aber meist waren es Tritte und Schläge, mit denen man mich reich beschenkte.
Ich kann gar nicht genau sagen, wie ich das alles aushielt. Für mich war es ja „normal“, ich kannte es eben nicht anders.
So vergingen über 10 Jahre, in denen die Kälte meinen Knochen immer mehr zu schaffen machte. Als man mich dort fand wurde ich zuvor mal wieder ganz schlimm zugerichtet. Ich hatte Schnitte und Brandwunden. Ich konnte mich nicht mehr bewegen und ich glaube ich wollte es auch nicht mehr. Wenn dies alles „leben“ bedeutet, so wollte ich das nicht mehr.
Da ich wohl lästig wurde, entsorgte man mich auf der Müllhalde. Wie Abfall, den man einfach nicht mehr braucht.
Zu dieser Zeit befand sich eine Organisation im Dorf, die sich „Cesta zu domovon“ nennt und die versucht, Tieren wie mir zu helfen.
Ich wurde sofort zu einem Arzt gebracht und versorgt. Danach erinnere ich mich nur daran, dass ich in ein Auto gepackt wurde und dass wir ganz lange gefahren sind.


Als ich wieder aufwachte, lag ich auf etwas Weichem, ich glaube „Decke“ sagen die Menschen dazu. Auch fror ich nicht mehr. Das musste an dem großem Haus liegen, in dem ich mich nun befand. Dort spürte ich keinen Wind mehr und es war trocken und kuschelig warm. Ich muss zugeben, ich erschrak etwas, als sich plötzlich eine Hand auf mich zu bewegte. Ich rechnete damit, dass ich nun wieder geschlagen wurde. Doch diese Hand machte etwas völlig anderes. Etwas, was ich bis dahin nie kennen lernen durfte. Ich wurde gestreichelt. Anfangs war es ein etwas komisches Gefühl. Musste ich bei Händen doch immer an Schläge denken. Aber diese Hände waren anders. Dieses Zuhause war anders. Ich erfuhr was in diesem Zuhause ein „Hundeleben“ bedeutet. Mit viel Liebe, Geduld und Zuneigung wurde ich von meinem Pflegeherrchen aufgepäppelt und monatlich von einer netten Familie finanziell unterstützt.
Leider durfte ich dieses Leben nicht länger genießen. Am 18. September um 11.40 Uhr habe ich meine Augen für immer schließen müssen.
Ich bin dankbar, dass ich noch erfahren durfte, was es heißt zu „leben“, wenn auch nur für eine kurze Zeit und danke allen Menschen, die dies möglich gemacht haben. Vor Allem aber meinem Pflegherrchen Herrn Käfer, der mich bis zum Schluss mit Liebe und Respekt begleitete und Familie Loose/Liebher für ihre monatliche finanzielle Unterstützung.
Ich hoffe, dass noch mehr armen Tieren geholfen werden kann, damit sie – wie ich – nicht den Glauben an die Menschen verlieren!